Aufsätze & Texte

TastaturHand-1-internetWORTE SIND SCHÖN, verschiedene Texte – eine Aussage

Willst du voll werden, sei ruhig leer
Etwas wieder erreichen wollen
Konditionierung und Freiheit
Ein Lösungsmittel
Täglich grüßt das Murmeltier
Das Hamsterrad in Beziehungen
Über echte und falsche Bedürfnisse

Willst du voll werden, sei ruhig leer

Erfüllung – oder die Fülle des Lebens – nimmt so viele Gestalten an wie es Menschen gibt. Doch für viele bleibt Erfüllung ein Traum von der Zukunft, in dem wir an verschiedenen Bedingungen festhalten, unter denen sich Erfüllung einstellen sollte. Dann sind wir von ihnen abhängig und bis sich unsere Konditionen verändert haben – das kann schon mal ein Leben lang dauern. – Ein Irrweg.               Unsere Be-Ding-ungen beziehen sich auf Dinge im Außen. Unsere Konditionen hängen von unserer Konditionierung ab. 

Erfüllung ist nicht auf der Ebene zu finden, auf der Du Dir etwas hinzufügen kannst. Hängst Du Dich an eine Fülle von Dingen / Umständen / Bedingungen, auf die Du hoffst, wirst Du ernst, dicht, eng, schwer, zwanghaft, ängstlich… Dein Bewusstsein zieht kleine Kreise, denn Du identifizierst Dich mit Gedanken, die wie in Umlaufbahnen um ihre Objekte (Themen) kreisen. „Seelische Schwerkraft“. Das Bewusstsein hat den weiten Raum hinter den Dingen vergessen.

Fülle findet sich in der Leere. Im Freiraum, in der Leere des Nichtwissens, kann sich Bewusstheit ausdehnen. Die Leere ist leicht. Sie fällt uns nur deshalb schwer, weil wir in einer Leistungs- und „Hinzufügegesellschaft“ aufgewachsen sind, die uns seit der Kindheit auf das Erreichen von Dingen und Zielen (Wissen, Geld, Erfolg, Ruhm…) konditioniert hat. So nehmen wir Leere zunächst nur als eine Situation des Mangels oder Langeweile wahr, in der wir uns zunächst scheinbar Wertlos fühlen.

Langeweile ist dabei eine Schlüsselstelle. Die meisten Menschen erfahren Langeweile nicht wirklich. Kinder quengeln, damit Eltern ihnen vorschlagen, was man doch alles machen kann um Langeweile nicht zu fühlen, Erwachsene lenken sich ab. Aber wer verweilt fühlend in Langeweile? Wer „durchquert“ diese „Wüste?“ Wenn ein Kind quängelt: „mir ist langweilig“, hörst Du dann Eltern antworten: „Langweilig, tatsächlich? Gut, und wie fühlt sich das an? Unsere Gesellschaft hat überall da, wo wir uns langweilen könnten vorsorglich Ablenkung installiert: TV in der U-Bahn, Zeitungen im Wartezimmer, und an der Supermarktkasse kann man sich Suchtstoffe hinzufügen: Zigaretten und Alkohol für Erwachsene Süßigkeiten für Kinder. Es ist kein Zufall das diese Drogen genau da platziert sind, denn Langeweile ist die Schnittstelle an der wir zwischen „Außenreitz Erhöhung“ oder „Innenraum Sensibilisierung“ wählen könnten, wenn wir bewußt genug sind, um nicht automatisch den Weg des Ausweichen, der Ablenkung zu wählen. Langeweile erscheint uns öde, solange wir uns noch nicht auf sie eingelassen haben. In der Abwesenheit von unterhaltsamen Reizen, hören wir genau den „Inneren Sound“ lauter, den wir mit Außenreizen überdeckt haben. Leere füllt sich zunächst mit den noch ungehörten inneren Stimmen und Gefühlen, die gehört /gefühlt werden wollen. Es mag zunächst unangenehm erscheinen, doch das was da kommt, gehört zu Dir und es kann sich integrieren /erlösen, wenn Du es nicht mehr bekämpfst. Insofern haben wir den freien Willen, uns so lange es geht abzulenken, doch weil Du bist, wie Du bist, wirst Du Dir irgendwann begegnen. Nimm zu Dir, was in Dir erscheint, denn es wird Dich ganz werden lassen.

Erfüllung, eine liebevolle und grundsätzlich frohe Haltung Deinem Leben gegenüber, lässt sich auf der Ebene des äußeren Hinzufügens nicht erreichen oder leisten. Leer sein, meint frei sein von Bedingungen. Das Wesen der Liebe ist bedingungslos. Erreichen lassen sich nur Dinge, und das damit scheinbar verbundene Glück ist nicht von Dauer. Selbst ein begehrter Partner wird nerven, wenn Du Dein Glück von seiner /ihrer Liebe abhängig machst. Sich auf die Leere als inneren Zustand einzulassen, bedeutet nicht, dass Du Asket wirst und nicht haben darfst / kannst / solltest, was Du wünscht. Es bedeutet nur, dass Du Deinen Selbstwert nicht an die Vorstellungen hängst, die Dir Deine Konditionierung vorgibt.

Leere, erscheint vom Blickwinkel des denkenden Verstandes aus, nur leer, als Nichts. Sich darauf einzulassen, bedeutet bestenfalls `mal Pause machen, zu erlernen, sich zu begnügen oder abzufinden. Leere ist allerdings völlig anders, etwas Undenkbares. Zu finden hinter den Toren, die man Stille….oder  Gegenwart nennt. Lässt man sich tiefer auf Leere, Stille, die Gegenwart ein, ist sie sehr viel mehr als eine Pause oder ein banaler Wellness-Tipp, der den Leistungs- und Oberflächenalltag angenehmer gestalten soll. Es ist die absolute, reichhaltige Fülle unseres Selbstes, die Tiefendimension allen Seins. Da tun sich Ebenen auf, die nicht “woanders” sind, sondern dem gegenwärtigen Sein Tiefe und somit erst Sinn und Leben geben. Dann wird offensichtlich, dass die Realität des denkenden Ichs das eigentliche “Woanders” ist. Denn in dem Kontext einer Geschichte aus Interpretationen, Urteilen, Bewertungen und Schlussfolgerungen zu leben, die ein Verstand für wahr hält, der nichts außerhalb des Verstandes kennt, nicht Gegenwart kennen kann, nicht Gefühl ist, ist sehr…. irreal. Ich könnte ewig weiterschreiben, um das Unbeschreibliche zu beschreiben, doch Worte sind Instrumente des Verstandes. Aber es macht mir Freude und ich fühle tiefer, was ich meine. Vielleicht fühlst Du es beim Lesen ja auch…. Worte sind schön, oder?

Eine Übung:

Löse Deinen Geist immer wieder von den Dingen, Objekten, Themen, bzw. lasse Deinen Geist sich auf die Leere beziehen, die überall zu finden ist. Leere ist nicht nur zwischen Atomen und Himmelskörpern, auch zwischen zwei Atemzügen, zwischen zwei Worten, zwischen zwei Gedanken, zwischen einer Frage und einer Antwort. Dehne diesen gedankenfreien Raum oder diesen “Freiraum für Bewusstsein” in Deinem Leben aus: Wenn Du an der Kasse stehst, auf den Bus wartest, wenn Du küsst, ißt, arbeitest, tanzt, gehst, dann richte Dein Bewusstsein auf seine eigene Quelle: Der Leere, aus der die Fülle all dessen was es gibt, entspringt.

Stephan Bissart 2007


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Etwas wieder erreichen wollen
-Ein Rezept-

Ach… wie erreiche ich nur wieder diesen Zustand?
Glücklicherweise / bedauerlicherweise ist er unerreichbar.
Unerreichbar, weil er bereits der Fall ist.
Er ist immer da.
Der Quell-Zustand von Bewusstsein, bevor Du dich mit dem, was los ist, identisch fühlst.
Leise, sanfte Wachheit ist, auch wenn etwas los ist, immer im Hintergrund.

Die Frage ist nicht, wie Du diesen Zustand vom Wochenende, von einer Sitzung wieder erlangen kannst, sondern wie es kommt, dass Du ihn nicht mehr wahrnimmst, wo er doch Dein wahres Selbst ist?

Weil Du Dir zu viel hinzugefügt hast, so viel, dass Du darin verwuselt bist.
Wir sind eine „Hinzufügegesellschaft“. Wir fürchten Leere.

Wie entledigen wir uns wieder dessen, was an uns hängen geblieben ist und woran wir hängen?

Erst sehen wir es.
Dann erkennen wir, was es ist.
Dann akzeptieren wir es. Animieren es nicht weiter – bekämpfen es nicht.
Wenn dann die Klarheit in den Vordergrund kommt, bleibe mit ihr.
Wie das geht? Verzichte auf selbst gemachte Bedingungen, die Du an irgend etwas/jemanden/Dich stellst. Sei bedingungslos und sprich Deine Wahrheit aus. Kommuniziere den „Ist-Zustand“.
Kurz, klar und knapp – ohne zu „labern“.

LEBE ALSO DEINE WAHRHEIT.

Einfach. Probiere es jetzt. Ich meine …jetzt

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Konditionierung und Freiheit

Freiheit beginnt mit der gefühlten Erkenntnis, dass ich nicht der Denker bin. Die erdachte und anerlernte Persönlichkeit, der Charakter ist ein Automatismus: Willkürliche Ich´s drängen sich laut und leise. Mit Hoffnungen befürchten sie, beschwichtigen, kritisieren, lenken ab, brausen auf und ab, bleiben reaktiv oder in Reaktivität fixiert. Von Ängsten gebannt, in Phantasien schwelgend, mal abwesend, mal launisch, getrieben von Impulsen und Motivationen hat das Ich Meinungen und Ansichten, um sich eine persönliche Geschichte und somit Identität vorzugaukeln.
Dies ist die Welt der Suche – in der sich der identifizierte Mensch, die Lösung immer nur innerhalb des Problems verspricht. Denn das Ego/die Person will an der Gewohnheit der persönlichen Dramen festhalten.
Jeder Mensch erschafft sich seit der Kindheit, ein fiktives und idealisiertes Selbstbild, nach dem er sich richtet. Aber da es aus Angst und Abwehr gegen verletzte Gefühle geschaffen wurde, ist es nicht Du selbst und führt also unweigerlich zu Konflikten.
Die Einzel- und Gruppenarbeit ist eine Einladung zu fühlender Gewahrsamkeit und gedankenloser Aufmerksamkeit, wo Verstehen, Liebe und Beziehung beginnt. Sich auf Gewahrsamkeit einzulassen, bedeutet zunächst, in beobachtende Distanz zu den Erscheinungen innerhalb der Person zu treten, eventuell auch über diese hinauszufühlen. Gewahrsamkeit ist wesentlich, um die Scheinwelt des Charakters zu klären. Selbsterkenntnis beginnt, wenn man lernt, die persönlichen Automatismen zu erkennen, um sich nicht mit ihnen zu verwechseln. Aus der Gewahrsamkeit des Herzens löst sich die karmische Spannung, die uns als Getrenntheit erscheint.

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SpiegelHerz
Ein Lösungsmittel

(oder: Psychotherapie aus spiritueller Sicht)

Eine Psychotherapie erklärt Dir wer und was Du nicht bist. (Ebenso ein Horoskop…) Denn in Wahrheit bist Du nicht derjenige, um den sich all die Gedanken, Sorgen und ängstlichen Fragen drehen. Um Dich nicht mit dem „künstlichen Wesen“ – dem ICH der Persönlichkeit – zu verwechseln, ist es hilfreich und notwendig, sie zu erkennen, zu verstehen, ihre persönliche Not zu trösten ohne sie zu ernst zu nehmen und ICH zu ihr zu sagen. Mit der Macht des Gedankenstromes und den daraus folgenden Ver-haltens-Mustern, bilden sich die Menschen seit geraumer Zeit ein „fiktives Selbst“: Die Persönlichkeit / das Ego. Ein ICH mit Hoffnungen, Befürchtungen, dringenden Wünschen, Ängsten, mit Sorgen, Zweifeln, Verpflichtungen und Zielen im Außen und der Zukunft die Erfüllung bringen könnten. Alles Eigenschaften, die der menschlichen Unbewußtheit (Ego) innewohnen – nicht Dir.

Wie ein Ei oder Kokon umhüllt Dich diese Persönlichkeitsstruktur. Von Außen animiert durch Kultur, Erziehung, und sozialem Umfeld, von innen her animiert durch psychischen Schmerz und Überzeugungen. Doch all das bist Du nicht – Du bist quasi das „Kücken“ in dem Ei, der Schmetterling in dem Kokon. Du bist lebendiges Bewusstsein in Deinem Körper, das aus der harten und verkalkten Schale des „sich Selbst erdenkenden“ ICHs schlüpfen will. Das immer fühlende Wesen Deiner lebendigen Bewusstheit, will aufwachen aus dem denk-identifizierten Ich-Traum. Nur muss keine Schale, kein Ei, kein Verstand und kein Ich zerstört werden, um Dich davon zu lösen. Es muss nur vom Bewusstsein fühlend erkannt werden. Aus gedankenloser Aufmerksamkeit, mit dem fühlenden Bewusstsein zu erkennen, ist das Lösungsmittel, das alles Unbewußte in sich Selbst, also in Bewusstsein verwandelt. So stärkst und nährst Du Dich wirklich Selbst, nicht Dein ICH, das sich nur durch und von Deinem Problembezogenem Denken nährt. Der Verstand wird es ohnehin nie ganz verstehen, denn er bildet ja die harte, vernünftige Schale, über die die lebendige Bewusstheit, die Du bist, hinaus-erwachen will. Der Verstand arbeitet daran zu verstehen und analysiert sich und sucht und verschiebt somit Glück in die Zukunft. Eine vom Bewußtsein  fühlend erkannte Persönlichkeit, transformiert sich vom Bedingungen stelleneden ICH, zum kreativen Potential.

Erkenne Dich Selbst.

Lösungsmittelvorschlag: pssssst, stillen wir…

Habe eine Sitzung mit mir:

In fühlender Gewahrsamkeit spreche ich mit Dir über persönliche Belange die Dich beschäftigen und schauen nach Lösung. Aus dem Wesen meiner fühlenden Gewahrsamkeit spreche ich das Wesen Deiner lebendigen Bewusstheit AN.

Die Arbeit in den Sitzungen mit mir ist sanft, feinfühlig, leise, humorvoll, tief – ein liebevolles, klärendes Lösungsmittel.

Im Wesendlichen ist WACHEN-LACHEN-ANerkennen garantiert.

Lösung von Identifikationen

Du kannst Deine Persönlichkeit klären und Dein Herz kennen. Dies ist der Kern der Arbeit in SpiegelHerz – Gruppen. Wie ein Fisch, der sich nicht bewusst ist, dass er im Wasser lebt, wissen wir nicht, dass wir von unserer veräußerlichten Innerlichkeit umgeben sind. Das Leben und alles, was uns umgibt, ist Hilfe. Die gewohnte Ich-Person lernt und vergleicht Verschiedenes, bleibt in sich jedoch gleich und schlägt sich selbst neue Varianten im Umgang mit Schwierigkeiten vor. Das konditionierte Ich sucht die Lösung in Umgangsformen, denn sie fürchtet die Lebendige UnvorherSEIbarkeit der Seele, die sie umgehen will. Doch ist Ängstlichkeit menschlich und man kann sich liebevoll auf sie beziehen, denn was sonst sollte sie auflösen? Wo Liebe ist, kann Angst nicht sein. Um eine Verbindung zur Quelle Deiner Lebendigkeit herzustellen ist es nötig, dass Deine Persönlichkeit, Dein Verstand zur Seite tritt. Einer Persönlichkeit, die alles mit sich selbst ausmachen will, ist das kaum möglich. Auch kann sie kaum zwischen unbewusster Projektion und echter Inspiration, fühlend zu unterscheiden. Die wohlwollende Aufmerksamkeit in SpiegelHerz-Gruppen stärkt die Bewusstheit der beobachtenden Position in dir. Aufmerksamkeit stärkt Aufmerksamkeit, Bewusstheit mehrt Bewusstheit, ebenso mehrt Angst die Angst und Liebe mehrt Liebe.

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Und täglich grüßt das Murmeltier
-Die Reanimation des Ich-

Die persönliche Geschichte ist eine Perspektive, die wir annehmen. In Wahrheit werden die Karten jeden Augenblick, in der Abwesenheit des sich selbst eine Geschichte erzählens, immer wieder neu gemischt. Tatsächlich animiert jeder Mensch seine Persönlichkeit (und die aktuelle Story) direkt nach dem Erwachen am Morgen. Beim Aufwachen ist die Sonne (das wahre, leere Bewusstsein) immer schon da. Für einen Moment sind wir frei am Morgen. Der Zustand ist so ungewohnt (und der Körper noch so müde), dass wir es kaum bemerken. Dann wiedererinnern wir alles….. WIR GEBEN die Bedeutung per Animation und die Story geht da weiter, wo sie gestern aufhörte.

Wenn Du nach dem Aufwachen noch frei bist – z.B. von einer belastenden Erinnerung vom Vortag – und bemerkst, wie Dein Geist abwandert, die Geschichte buchstäblich zurückholt und sie mit inneren Dialogen „reanimiert“, halte inne. Folge diesen automatischen Gedankengängen nicht unbewusst, gehe nicht so sehr in die Details der vergangenen Geschichte, halte den Raum frei, bleibe frei und das Leben bekommt die Möglichkeit, sich selbst zu leben. Du musst nicht in dem Kontext einer erinnerten und für wahr gehaltenen Story aus Bewertungen, Urteilen und Schlussfolgerungen bleiben und psychologisch belastende Zeit erschaffen, unter der Du dann leidest.

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Das Hamsterrad in Beziehungen

Die Geschichte von Narziss ist die klassische Mythologie des menschlichen Dramas um Liebesbeziehungen. Es gibt zwar verschiedene psychologische und spirituelle Deutungen dieses Mythos, doch geht es letztlich immer um das eigene Ich (Narziss), das so sehr mit seinem Spiegelbild (seiner Wirkungsweise, persönlichen Vorlieben, Fertigkeiten, Eigenheiten und sozialen Beziehungen) beschäftigt ist, dass es für Liebe und die Stimme der Seele (Nymphe Echo) nicht mehr erreichbar ist. Wenn wir ehrlich uns selbst gegenüber sind, kennen wir alle diese besondere Beziehung, die wir mit unserer Persönlichkeit haben: “Ich bin zu dick, zu alt, sollte mehr Sport treiben, muss gelassener werden, mehr aus mir raus gehen, hübscher werden, mehr verdienen, flottere Sprüche bringen, mutiger sein oder seriöser wirken”…etc. Kurz: “So wie ich bin, liebe ich mich nicht und sollte anders werden”. Und wie selbstverständlich tut das Ich das auch mit anderen Ichs: “Er soll groß sein, sie soll schlank sein, soundso jung sein, einen Bart haben oder eben nicht, auf jeden Fall diese Augenfarbe haben und bloß nicht dieses oder jenes Sternzeichen haben, soundso über das Leben, die Politik und die Liebe denken“…etc. Je länger Du so oder ähnlich beschäftigt bleibst, desto größer und unbedingter wird die Bedeutung, die Du Deinen „Kriterien für eine Glück bringende Beziehung“ beimisst, umso isolierter und sonderbarer erscheinst Du der Umwelt. Die Verbitterung und Traurigkeit über das Gefühl der Verschmähtheit wächst, die Forderung nach der/dem Richtigen wird dringender. Aber ungeklärt bleibt, warum Du glaubst, nicht liebenswert zu sein und somit genau diese Erfahrung anziehst, für wahr nimmst und scheinbar auch nicht anders kannst. Nun mögen die angeführten Beispiele für die Vorstellungen des Ich´s über Dich selbst und andere sehr allgemein sein, aber sicher kennt jeder Mensch, der/die schon Beziehungen hatte, die Erfahrung, dass es immer wieder die gleiche Art von Schwierigkeiten oder Konflikten sind, die zur Trennung führen. Als Frau könntest Du beginnen, zu glauben, dass Du Dich vor einer bestimmten Art Männer schützen musst oder Dir erst ganz sicher sein musst, bevor Du Dich einlassen kannst. Oder es kommt Dir als Mann so vor, als müsstest Du sexuelle Spannungen verleugnen und erst einen Hindernisparkur meistern, bevor Du geliebt wirst. Was zieht uns an? Ist Attraktivität eine Frage von Hübschheit, des Einkommens, der Meinungen und Ansichten, die man vertritt? Nein, es ist eine Frage der Geklärtheit der eigenen Persönlichkeit. Jede Seele ist immer bereits Ausdruck von Schönheit. Die Frage ist, ob Du die Schönheit Deiner Seele kennst, sie lebst, wie authentisch Du bist, wie nah Du an Deinem Wesen bist. An-Wesenheit ist sicher attraktiver, als in dem normalen, alltäglichen Zwang verloren zu sein, einem Ideal oder einer Vorstellung zu entsprechen. Schönheitsoperationen und Umgangstechniken sind Investitionen in ein Image, das Selbstablehnung überspielen soll und führen deshalb zu nichts. Die Seele will Erfahrungen ihrer selbst machen, um so zu lernen und sich neu für eine Beziehung zum Leben, zu Menschen und mit der Liebe zu entscheiden.

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Über echte und falsche Bedürfnisse

Selbst wenn es möglich wäre, dass der Erwachsene Ersatzeltern bekommen könnte (die genau das geben, was sich das Kind von idealen und vollkommenen Eltern vorgestellt hätte), würde er dennoch nie die Erfüllung “Krieg-en”, weil sie von Außen käme. Der Erwachsene muss in sich selbst nach dem suchen, wonach er sich so schmerzhaft sehnt. Nicht außerhalb von sich selbst. Der Erwachsene muss entdecken, dass sein Leiden heute durch seine jetzige Haltung verursacht wird, und nicht daran festhalten, die Schuld und Verantwortung dafür seinen Eltern (Lebensumständen, Gesellschaft, Gott, etc.) und dem Leben zu geben. Er muss Selbst-Verantwortung nehmen und in sich suchen, um den ursprünglichen Schmerz wieder zu finden und zu erfahren. Dies ist der Weg um Sicherheit in sich selbst zu finden, anstatt es als falsches Bedürfnis von Anderen bekommen zu wollen.
Denn das Nicht-fühlen-wollen dieses Urschmerzes bindet den Erwachsenen an diesen Schmerz und motiviert ihn zu einem Leben der Suche im Außen, der Umgangsformen und des Vermeidens, der Erschöpfung und der vergeblichen Selbstverleugnung.

In dem Maße, wie er in sich forscht, verschwindet die Angst und auch die Abhängigkeit, die in einem Erscheinungszustand der Hoffnungslosigkeit verharrt. Auch wenn Deine Eltern nicht immer angemessen für Dich da waren, können sie nicht verantwortlich gemacht werden für Dein jetziges Leiden, und noch weniger kann man von Anderen erwarten, daß sie alle Deine früheren Verletzungen “wieder gut machen”. Um diesen ganzen Prozess in Aktion zu sehen, brauchst Du spezifische Selbst-Beobachtung und Ehrlichkeit, weil viele Komponenten sehr subtil und verborgen sind.
Nur wenn Du imstande bist, die irrationalen Forderungen zuzugeben und siehst, wie Du andere, die Du für die eigenen unerfüllten Bedürfnisse verantwortlich gemacht hast, bestrafen willst, kannst Du diese egoischen Verbindungen wirklich begreifen, um dich von ihnen zu lösen.

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